Von der Ritter-Urkunde bis zum Grundrissplan

Es ist eine echte Schatzkiste, die Dietrich Schabow „gepackt“ hat. Zwei lange Jahre stöberte der Heimatforscher durch die Abtei Sayn, trug vom Kellergewölbe bis zum Dachboden jedes Schriftstück zusammen, das er in dem alten Prämonstratenser-Gemäuer finden konnte – von Jahrhunderte alten Grundrissplänen über mittelalterliche  „Ritter“-Urkunden bis zu einem Stapel von Ahnentafeln Sayner Familien. Nun steht das Werk kurz vor der Vollendung: Ein wohl strukturiertes Sayner Kirchenarchiv ist entstanden, das quantitativ und qualitativ mit einem beachtlichen Fundus an historischen Kostbarkeiten glänzt und von genauso überregionaler Bedeutung sein dürfte, wie es einst die Abtei gewesen ist.

Noch stapeln sich auf dem alten, mächtigen Eichenschreibtisch im neuen Archivraum der Abtei Sayn die Papp-Aktenordner, türmen sich schwere, ledergebundene Handschriften aus dem 16. Jahrhundert neben ebenso alten Pergamentrollen. Von Rittern, Grafen und Freiherrn ist in den zum Teil frühmittelalterlichen Schriftstücken die Rede, von Burgen, Lehen und Goldmark, dann aber auch, nur drei Buch-Exemplare weiter unten in dem von dem passionierten Heimatforscher zusammengetragenen „Geschichtsturm“, von ganz banalen, neuzeitlichen Begebenheiten – im „Kirchlichen Terminkalender 1982“ zum Beispiel.

Denn das Kirchenarchiv, das Dietrich Schabow in mehr als zweijähriger Fleißarbeit zusammengetragen hat, spannt zeitlich und inhaltlich einen weiten Bogen. Alle Schriftstücke, Fotografien, Bücher und Gemälde, die er in der Abtei Sayn finden konnte und die es verdienen, aufbewahrt zu werden, hat Schabow in einem Verzeichnis erfasst. Welche Arbeit sich dahinter verbirgt, kann eigentlich nur derjenige ermessen, dem der aktenmäßige Ur-Zustand in dem alten Prämonstratenser-Gemäuer bekannt gewesen ist. Eine systematische Aufbewahrung „literarischer“ Zeitzeugnisse gleich welcher Art hatte es hier bis dato nicht gegeben. Den zum Teil kostbaren Fundus, den das Archiv nunmehr in  geordnete Bahnen lenkt, entdeckte Schabow demnach weit verstreut – vom Kellergewölbe bis zum Dachboden. Außerdem war die Arbeit mit dem bloßen Zusammentragen des Archiv-Inventars noch lange nicht beendet. Jedes Buch, jede Akte, jedes Dokument hat Schabow zumindest quergelesen, um Titel, Inhalt und die Datierung zu erfassen und damit dann den Schlag- und Stichwortkatalog des Computersystems „zu füttern“, das ihm das Bistum zur Verfügung gestellt hat. „Überhaupt bin ich von Trier und finanziell auch vom Förderkreis Abtei Sayn stark unterstützt worden“, ist Schabow dankbar. Nicht nur das PC-gestützte Archivierungssystem wurde ihm so von den bischöflichen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt, sondern auch ein Teil der Kleinarbeit abgenommen. Nach der akribischen Auflistung  – der Bestand des Archivs umfasst 1325 Titel (!) – übernahmen es die Bistums-Software und die Rechner des Trierer Kirchenarchivs, die Bestände nach den beim Archivieren eingegebenen Sachkriterien zu ordnen. Quasi per Knopfdruck wanderten die Bestände im Computerkatalog so an die Stellen, an die sie gehören: In die Rubrik „Urkunden“ beispielsweise, oder in die der „Amtsbücher“, „Pfarr- und Ortsgeschichte“, „Kirchen- und Kapellen“, „Pfarrhaus und Nebengebäude“, „Kirchenvermögensverwaltung“ oder „Brauchtum“. In analog nummerierten Kartons und Papp-Akten „verfrachtet“, genügt Dietrich Schabow künftig also ein einziger Knopfdruck, um den Standort eines bestimmten Werkes oder einer Niederschrift zu ermitteln. Beim Einordnen in die Archivmappen und -kartons und bei deren Beschriften haben Werner Hackenbruch und Rudi Nett von den „Donnerstagsmännern“ wertvolle Hilfe geleistet.

Das Archiv soll künftig auch so weit wie möglich für alle Personen zugänglich werden, die ein berechtigtes Interesse nachweisen können.

Interessant insbesondere für die Sayner Bevölkerung dürfte dabei zum Beispiel ein ganzer Stapel von Ahnentafeln sein, die Pfarrer Ibald in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts recherchiert hat und die der Geistliche zum Beispiel gerne zu Goldenen Hochzeiten und runden Geburtstagen verschenkte. „Ich habe mehr als 100 solcher Stammbäume, die zum Teil drei Jahrhunderte weit zurück reichen, aufspüren können und alphabetisch geordnet“, erzählt Schabow. Spannend und aufschlussreich ist das Archiv aber noch an vielen anderen Stellen. Die Titel zum „Diensteinkommen des Pfarrklerus“, die bis ins Jahr 1818 zurück reichen, zum Beispiel oder die „Versäumnis-Liste der Schule zu Sayn für das Jahr 1868“...

Annette Herrmann  (Rhein-Zeitung vom 15.09.2005)

Inzwischen liegt das „Repertorium“ (Findbuch) in seiner gedruckten Ausgabe mit Register und als Word-Datei vor und ist schon von vielen Ratsuchenden aus der Wissenschaft und der Familienforschung benutzt worden. Termine sind telefonisch oder per E-Mail zu vereinbaren: Dietrich Schabow 02622/4161 oder Dietrich.Schabow@t-online.de. Das Repertorium kann auch im Bistumsarchiv Trier, im Landeshauptarchiv Koblenz und in dessen Außenstelle Rommersdorf  eingesehen werden.


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