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07.05.2012

Förderkreis Abtei Sayn:
5-Tagesreise nach Westerstede/Ammerland

mö. Vierzig Mitglieder und Freunde des Förderkreises machten sich am 07. Mai auf den Weg in das zwischen Ems und Weser gelegene wunderschöne Ammerland. Unser Bus erreichte an Nachmittag die Kreisstadt Westerstede. Nach der herzlichen Begrüßung durch die Hotelbesitzerin und dem Bezug der Zimmer unserer im Zentrum gelegenen schönen Unterkunft war bis zum Abendessen noch genügend Zeit, durch die lebendige Innenstadt von Westerstede zu bummeln und einen ersten Eindruck zu gewinnen.
Am nächsten Morgen wurden wir von Herrn Erhard Krettek begrüßt, der uns auch die folgenden Tage als humorvoller und charmanter Gästeführer begleitete. Der anschließende Stadtrundgang begann auf dem Marktplatz; hier erfuhren wir, warum dieser Ort auch "Duz-Platz" genannt wird. Die Bürger wurden vor Jahren gebeten, Vorschläge zur Belebung der Stadt zu machen. Einer davon war die Idee mit dem "Duz-Platz" mit der Folge, dass darüber nicht nur deutschland- und europaweit, sondern auch sogar im australischen Fernsehen berichtet wurde.
Direkt am Marktplatz befindet sich das Wahrzeichen von Westerstede, die im 12. Jhdt. errichtete St. Petri-Kirche mit ihrem im unteren Teil aus riesigen Findlingen gemauerten 46 Meter hohen Turm. Ursprünglich im romanischen Stil gebaut, wurde das Gotteshaus im 14. Jhdt. im gotischen Stil umgebaut. Typisch wie für fast alle Kirchen in Norddeutschland ist das Mauerwerk aus rötlichem Backstein. Vor etwa 50 Jahren erfolgte eine Grundsanierung; dabei wurden verschiedene Fresken aus dem Mittelalter freigelegt. Auch befindet sich noch ein sogenannter "Bauernstuhl" im Innern; die wohlhabende Stifterfamilie konnte diesen von außen betreten und musste nicht mit dem armen Volk gemeinsam am Gottesdienst teilnehmen.
Nachmittags war die für onkologische und orthopädische Rehabilitation bekannte Kurstadt Bad Zwischenahn unser Ziel. Durch den herrlich am Zwischenahner Meer gelegenen Kurpark, in dessen Mitte sich ein weithin bekanntes Restaurant für Räucheraal befindet, war das Zentrum des Ortes mit schönen Läden und repräsentativen Wohnhäusern zu erreichen. Wie schon in Westerstede waren auch hier die gepflegten Gärten mit zahlreichen in voller Blüte stehenden Rhododendren immer wieder ein Hingucker.
Auch in Bad Zwischenahn ist das älteste Wahrzeichen die ebenfalls aus dem 12. Jhdt. stammende St. Johannes-Kirche. Sie bildet den Mittelpunkt der aus verschiedenen Bauernschaften auf sie zulaufenden alten Kirchenwege. Wie bei St. Petri in Westerstede befindet sich der Glockenturm etwas abseits des eigentlichen Gotteshauses und das Mauerwerk zeigt im unteren Teil unbehauene Feldsteine und im übrigen den rötlichen Backstein.
Für den Abend war im Hotel nach dem Essen eine Überraschung angekündigt. Und die gelang wahrlich mit dem Auftritt des Shanty-Chors der Marinekameradschaft Westerstede. Die Gruppe brachte den Saal mit einem Potpourri aus bekannten Volks- und Seemannsliedern zum Mitsingen, Schunkeln und rhythmischen Mitklatschen. Erst nach mehreren Zugaben konnten sich die Sänger verabschieden.
Am Mittwoch ging es zeitig los über die Deutsche Fehnroute in Richtung Papenburg. Die 170 km lange Deutsche Fehnroute führt über zahlreiche Orte, die zum Teil erst nach der vor Jahrhunderten begonnenen Kultivierung der in der Region typischen Moore entstanden. Das Leben in dieser Zeit war hart und entbehrungsreich. Es brauchte mehrere Generationen, bevor sich die Menschen ansiedeln konnten.
Das Highlight dieses Tages war die Besichtigung der durch den Bau von Luxus-Kreuzfahrtschiffen weltweit bekannten Meyer-Werft in Papenburg. Ein Film informierte uns zu Beginn über die Historie der in 1795 gegründeten Firma. Wesentlich für deren positive Entwicklung war die schon früh in 1872 begonnene Umstellung des Schiffsbaus von Holz auf Eisen, was zu dieser Zeit geradezu als revolutionär galt. In der Ausstellung waren eine große Zahl von Modellen der Schiffe zu sehen, die bei der Werft in den letzten Jahrzehnten vom Stapel liefen.
Das ständig gestiegene Interesse an Kreuzfahrten und die höheren Ansprüche der Passagiere -Außenkabinen mit Balkon sind heute bei Neubauten Standard- führten zu einem regelrechten Neubauboom. Alle großen Kreuzfahrtreedereien sind Auftraggeber der Meyer-Werft. Anfang April wurde das sechste Schiff für eine bekannte deutsche Reederei ausgeliefert und vor wenigen Tagen anlässlich des Hamburger Hafengeburtstages im Beisein von drei Schwesterschiffen getauft.
Meyer verfügt über zwei überdachte Docks, von denen eines 504 m lang ist und den parallelen Bau von zwei Schiffen ermöglicht. Wir konnten in diesem Dock den weit fortgeschrittenen Neubau eines Kreuzfahrers für eine norwegische Reederei sehen, der so hoch ist, dass die Schornsteine erst außerhalb des Docks im Vorhafen montiert werden können. Die Überführung der riesigen Schiffe durch die Ems in die Nordsee ist immer wieder eine technische und nautische Meisterleistung und findet stets großes Medieninteresse.
Ein vom Gästeführer der Meyer-Werft empfohlener Abstecher in die Innenstadt von Papenburg führte uns vorbei an schönen Häusern und Kanälen mit Nachbauten alter Schiffe zur St. Antonius-Kirche. Die Ausmaße des heutigen Gebäudes sind beeindruckend. Angeblich wurden 12 Millionen Backsteine verbaut, davon die Hälfte wegen des weichen Untergrundes als Fundament. Ursprünglich befand sich an der Stelle eine aus der Mitte des 17. Jhdts. stammende Kapelle, die damals mit Erlaubnis des Bischofs von Münster errichtet wurde.
Das Torf- und Siedlungsmuseum Wiesmoor im gleichnamigen Landschaftspark war letztes Ziel dieses Tages. Nach dem Genuss eines wohlschmeckenden ostfriesischen Tees und köstlichem Butterstuten konnten wir beim Gang durch die Häuser des Museums viel über die Entwicklung des Torfabbaues von mühsamer Handarbeit bis zur weitgehend maschinellen Ausbeute erfahren. Heute steht man der weiteren Nutzung der Moore aus Umweltgründen eher skeptisch gegenüber.
Der Donnerstag stand weitgehend im Zeichen der Pflanze, für die das Ammerland so bekannt ist. Unser Gästeführer dirigierte den Bus über kleine Nebenstraßen in Stadtteile von Westerstede und andere Orte, in denen es schien, als ob die Hauseigentümer sich mit der Blütenpracht der Rhododendren in ihren Gärten einen Wettbewerb liefern würden. Beim Halt in einer Rhododendron-Baumschule, die sich auf die Aufzucht von Jungpflanzen spezialisiert hat, konnten wir in einer Halle hunderttausend kleine Pflanzen in Containern sehen, die bis zum Weiterverkauf nach spätestens einem Jahr an andere Gärtnereien mehrfach in Handarbeit von Unkraut befreit und ausgepflückt werden müssen. Diese Baumschule verlassen jährlich bis zu 2,5 Millionen Jungpflanzen. Fast 90 Prozent der in Deutschland verkauften Rhododendren stammen aus der Region Ammerland; auch die in Verbrauchermärkten erhältlichen Gartenkräuter in Containern kommen fast ausschließlich von hier.
Der im Westersteder Stadtteil Linswege gelegene Rhododendronpark ist mit 70 Hektar nicht nur Deutschlands größte derartige Anlage, sondern gilt auch unter Fachleuten als einer der schönsten und größten Europas. Unter dem Schutz von Nadel- und Laubgehölzen stehen zigtausende Rhododendren in allen Formen und Variationen. Die Ursprünge des Parks gehen auf 1928 zurück. Auf einem knapp 3 km langen Rundweg konnten wir die Blütenpracht unzähliger Pflanzen bewundern. Zahlreiche Knospen werden noch in den kommenden Wochen aufspringen.
Letztes Ziel dieses Tages war erneut Bad Zwischenahn, das wir über Nebenstraßen vorbei an Häusern mit immer wieder wunderschön gestalteten Rhododendrongärten und entlang des Zwischenahner Meeres erreichten. Hier gingen wir an Bord der "MS Ammerland" und fuhren über eine Stunde gemütlich über den mit 5,5 qkm drittgrößten Binnensee Niedersachsens.
Beim letzten Abendessen im Hotel galt es, denen Dank zu sagen, die die Idee zu dieser Reise hatten und sich um die Organisation kümmerten. Ein herzliches Dankeschön galt auch unserem Busfahrer Lorenz, der uns routiniert nicht nur über die Autobahn, sondern auch sicher durch die engsten Straßen und Wege chauffierte.
Am Freitagmorgen hieß es Abschied nehmen. Unsere Gastgeber, das Ehepaar Voss, spendierte als Überraschung für alle ein Glas Sekt und so bestiegen wir beschwingt den Bus und erreichten am späten Nachmittag die Heimat.
Harmonische und erlebnisreiche Tage gingen zu Ende und es war schon die Vorfreude auf die nächsten Ausflüge mit dem Förderkreis Abtei Sayn zu spüren.


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