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09.07.2008

Kloster Arnstein und das Museum Blaues Ländchen

Kloster Arnstein liegt beeindruckend auf einem Hügel nördlich von Obernhof an der Lahn. Der Förderkreis Abtei Sayn besuchte mit 50 Personen die ehemalige Prämonstratenserabtei, die zum gleichen Orden wie Abtei Sayn gehörte und wie diese 1803 aufgelöst wurde. Pater Egon Wagner von der Genossenschaft vom Heiligen Herzen Jesu (Arnsteiner Patres), die dort seit 1919 arbeitet, führte durch die Kirche und Teile des Klosters. Heute leben nur noch 3 Patres und 2 Brüder dort, jedoch ungefähr 600 Schwestern und 900 Brüder arbeiten in 35 Ländern, darunter in fast allen Staaten Westeuropas, Nord- und Südamerikas, in Afrika, Asien und im Pazifik.
1139 wandelte Graf Ludwig III. seine Burg Arnstein an der Lahn in ein Prämonstratenser-Kloster um, in das er selbst eintrat. 1145 bestätigte König Konrad III. die Abtei als reichsunmittelbar.
Das Äußere der im romanischen Baustil errichteten Klosterkirche hat seit 650 Jahren sein Aussehen bewahrt. Mehr Veränderungen gab es im Inneren, doch Teile des wertvollen Schmuckfußbodens von 1210 sind noch erhalten. Die Kirche birgt einen prächtigen Barockaltar, eine ebenso sehenswerte Rokoko-Kanzel und eine über 300 Jahre alte Orgel, die untypisch im vorderen Seitenschiff gelegen ist. Die herrlichen farbenfrohen Fenster des 12. Jahrhunderts wurden leider 1815 ausgebaut und befinden sich nun im Westfälischen Landesmuseum Münster. Einen alten Altar entdeckte man sogar in Norwegen. Viele der wertvollen Arnsteiner Handschriften wurden vernichtet; einige sind heute in der British Library in London. Seinen Abschluss fand der Rundgang im architektonisch einmaligen Refektorium, dessen Decke noch von Eichenbalken aus dem 12.Jahrhundert gehalten wird.
Weiter führte die Reise ins so genannte „Blaue Ländchen“ im Taunus. Die meisten Fahrtteilnehmer hatten schon davon gehört, wussten den Begriff jedoch nicht zu deuten. Im gleichnamigen Museum in Nastätten gab es die Erklärung. Der Name kommt vom Blaufärben mit den Blättern der heimischen Pflanze Isatis tinctoria, Die Erfindung der industriellen Farbstoffe bedeutete den Niedergang des einst bedeutenden Gewerbes.
Interessant war die Führung im Museum. Auf über 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist die Lebens- und Arbeitswelt des 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts in liebevoll und detailreich ausgestatteten Kojen aufgefächert: Zu sehen sind zahlreiche Werkstätten der traditionellen Handwerke und die Landwirtschaft, die ihrem damaligen Stellenwert entsprechend ausführlich dokumentiert ist. Der Arbeit der Frau im Iändlichen Haushalt ist viel Platz gewidmet. Hier wird Geschichte lebendig! So sahen die Wohnungen vor über 100 Jahren aus und die Zentren des dörflichen Lebens: der Tante-Emma-Laden, die typische ,,Zwergschule” und eine Dorfkneipe. Diese bot für uns sogar leckeren, frischen Streuselkuchen mit Obst und Kaffee.
Mit dem Bus ging die Fahrt anschließend durch den herrlichen Taunus. Zu unserer großen Überraschung kamen wir aus der Höhe zum Loreley-Felsen, der wieder einen traumhaften Blick auf den tief im Tal fließenden schönen Rhein und die Umgebung erlaubte.
Nach unterhaltsamen Stunden, gutem Abendessen und Wein sahen wir auf dem Nachhauseweg noch viele Burgen, mit denen unsere Heimat auf der Strecke von St. Goarshausen nach Sayn bestückt ist,und wieder einmal endete eine wirklich schöne und gut organisierte Tour des Fördervereines.


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