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Varia-Vermischtes 1805-1808

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Varia/Vermischtes 1805-1808

verfasst von Jakob Hesselbach,
aus dem Lateinischen übersetzt von Klemens Helde
(Pfarrarchiv Sayn Nr. 0056)

Jakob Hesselbach, geboren am 21. Februar 1748 in Hammelburg, trat 1773 als Professe in die Abtei Sayn ein. Einer Marmortafel mit dem Titel „Die letzten Priester der Prämonstratenserabtei Sayn“ im Chor der Abteikirche entnehmen wir, dass er von 1773-1781 Pfarrer von Sayn war und hier am 4. Juni 1813 verstorben ist. Immer wieder werden seine große Gelehrsamkeit, sein Fleiß und sein Geschick als „Theologiae Lector“ hervorgehoben. Von ihm ist außerdem bekannt, dass er als Prediger in der ganzen Gegend geschätzt wurde. 1803 mussten die Mitglieder des Konvents die von Nassau säkularisierte Abtei verlassen. Nur Abt Bartholomäus Reinhard, der das Amt des Pfarrers wahrnahm,  und Jakob Hesselbach durften bleiben. Ihm wurde in Würdigung seiner Verdienste sogar eine höhere Pension als seinen Mitbrüdern bewilligt. Von seinen Schriften sind nur „Origo parochiae Sayn (Ursprung der Pfarrei Sayn)“ und „Varia (Vermischtes) 1805-1808“ erhalten geblieben. Bei den „Varia“ handelt es sich um ein in lateinischer Sprache geschriebenes Tagebuch des Zeitgeschehens, um eine Mischung von großer Geschichte und lokalen Ereignissen.
Fast so nebenbei erwähnt Hesselbach, dass die in Sayn gelegenen Abteigüter nach der Säkularisierung versteigert wurden und dass Freiherr von Boos, der Besitzer das Sayner Schlosses, der Käufer war. Eine später hinzugefügte Anmerkung sagt aus, ein gewisser Herr de Roque-Mamont habe von 1803 an einige Jahre mit Familie und Mägden das ehemalige Abtsgebäude (das heutige Pfarrhaus) bewohnt und dort eine Gastwirtschaft betrieben. Im ehemaligen Kelterhaus der Abtei gab es Musik und Tanz.

Die „Varia“, die Herr Oberstudiendirektor i.R. Klemens Helde dankenswerterweise ins Deutsche übersetzt hat, werden hier erstmals veröffentlicht. Die Seitenangaben im laufenden Text beziehen sich auf das Original von Jakob Hesselbach, die anderen auf die Übersetzung von Klemens Helde.

Seite 3 der lateinischen Originalfassung (Pfarrarchiv Sayn, Nr. 0056)

1805 - 22.August
Verschiedene Gerüchte werden verbreitet, unter diesen auch das, dass am 1. Oktober der Kaiser Bayern bis zum Lech mit österreichischem Militär belagern will; und zur gleichen Zeit werde der König von Preußen dasselbe mit dem Kurfürstentum von Braunschweig-Hannover machen. – Der bayrische Kurfürst wird in Würzburg wohnen.
Überall ist der Getreidepreis hoch; deshalb sind im laufenden Monat in Wien/Österreich, in Bamberg und in anderen Städten Deutschlands Unruhen - ähnlich Aufständen - entstanden.
Die Franzosen haben fast alles zu einer Expedition gegen England vorbereitet.
27.8. - Wenn dem Gerücht, das man in Koblenz hört, Glauben geschenkt werden darf, so ist die Schiffsexpedition gegen England aus den französischen Häfen mit vollen Segeln zusammen mit Kaiser Napoleon aufgebrochen. Der russische Zar bereitet alles zum Kriege vor. Viele preußische Regimenter brechen nach Franken, d.h. in die Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth, auf. Ein Erdbeben hat im Königreich Neapel große Schäden verursacht, mehr als 1.200 Familien fanden den Tod.

Napoleon schickte einen Botschafter nach Wien/Österreich, der fragen sollte, warum der Kaiser alles für den Krieg vorbereitet, und der ihn so dazu bringt, dass er gezwungen wird, seine Expedition gegen England zu unterbrechen und die dafür vorgesehenen Truppen nach Italien zu schicken.
Obendrein deutete er an, dass er Österreich den Krieg erklärt, wenn die Antwort nicht seinem Willen und Wunsch entspräche.
Kaiser Franz und der Franzose bereiten den Krieg vor; das französische Heer, das gegen England bereit stand, fährt von der Meeresküste (Seite 4) weiter gegen Österreich. In Koblenz und in anderen am Rhein gelegenen Städten und Bezirken wird allerlei für die Soldaten, die immer näher kommen (14. August), vorbereitet. – Koblenz muss jedenfalls mit dem ganzen Distrikt 1.500 Pferde stellen.
Das Römisch-Deutsche Reich wird sich über die Neutralität freuen, aber ich fürchte, dass es gezwungen wird, diese teuer zu erkaufen – das Gerücht sagt schon, dass die deutschen Fürsten gezwungen werden, die Franzosen mit Militär und Geld zu unterstützen.
Gott möge alles Übel abwenden und den Frieden schenken!
Die Franzosen fordern vom Kurfürst von Württemberg 10.000 Mann Hilfstruppen, ebenso viele vom Kurfürsten von Baden; man sagt, dass über diese Truppen und ihre Zahl im jüngsten Friedensvertrag, wo die Reichsfürsten - gleichsam persönlich - mit  der französischen Regierung verhandelten, eine Übereinkunft getroffen wurde.
Der Kurfürst von Bayern und der Pfalz hat in der Nacht vom 8. zum 9. September mit seiner ganzen Familie München verlassen und ist nach Würzburg aufgebrochen – sein Weggang war einer Flucht ähnlich! - Die österreichischen Soldaten rücken Bayern täglich näher. – Oh, ihr Fürsten Deutschlands! Was habt ihr getan? Ihr habt das Vaterland und Eure Herrschaft verkauft!
Die nassauischen Fürsten haben auch mit Napoleon über die Zahl der Soldaten, die als Hilfstruppen zu stellen sind, ein Abkommen getroffen, mit der Folge, dass Weilburg ihm 1.000 und Usingen 2.000 Mann ihm stellen wollen: das ist ein allgemeines Gerücht.
Am 17., 18. und an den folgenden Tagen kamen viele französische Regimenter in Koblenz und in seiner Nachbarschaft an, eilten weiter nach Straßburg, viele französische Soldaten desertieren. – Die Österreicher marschierten in München ein, stoßen in Bayern immer weiter Richtung Lech vor.
Die Franzosen, die aus dem Kurfürstentum Hannover weggegangen sind, haben bei Bergen oberhalb Frankfurts ihr Lager aufgeschlagen.

Seite 5 - 1805, Oktober
Die Österreicher sind in Memmingen einmarschiert, Kaiser Franz kam in München an.
Die Franzosen und mit ihnen die Holländer haben den Main auf  beiden Seiten besetzt und ziehen nach Würzburg weiter; auch die Österreicher marschieren dorthin. Wenn man dem allgemeinen Gerücht glauben darf,  so werden die Kurfürsten von Bayern-Pfalz, Baden und Württemberg den Franzosen Hilfstruppen gegen Kaiser Franz zur Verfügung stellen.

Der Preuße hat alle seine Regimenter zusammengezogen und Marschbereitschaft angeordnet: ob gegen die Franzosen (woran sehr gezweifelt wird) oder gegen unseren Kaiser, weiß man nicht.
Napoleon hat seinen Senat versammelt und hatte mit den Senatoren eine geheime Beratung über den Krieg; was des Weiteren dort behandelt wurde, weiß man noch nicht.
15.000 Schweden und ebenso viele Russen dienen zum Schutze in Schwedisch-Pommern und 30.00 Soldaten zum Schutze in Preußisch-Pommern. Der Herzog von Holstein hebt auch Soldaten aus. – Die Franzosen haben, wie man gerade hört, ober- und unterhalb von Straßburg den Rhein überschritten und den Neckar besetzt.
Napoleon hat den nassauischen Fürsten  und ihren Herrschaftsbereichen Neutralität zuge-standen.
Der Kurfürst von Bayern und der Pfalz (Bem. am Rand: Es war nicht der bayrische Kurfürst, sondern ein anderer) reiste am 3. Oktober über Vallendar  nach Düsseldorf. – Dessen Kutsche, in der auch seine Frau saß, zogen sechs Pferde; diesen folgten drei weitere Pferde und hinter diesen folgten weitere sieben Pferde.  – Die Franzosen sind in Pforzheim.
Napoleon soll bei seinem Kopf geschworen haben, dass er nach vier Wochen seinen Sitz in Wien einrichten werde – oh, welch eine Überheblichkeit!
Der Kurfürst von Bayern und der Pfalz übergab eine Festung nahe bei Würzburg freiwillig den Franzosen.

Seite 6 - 1805
Die Truppen des Kurfürsten von Bayern haben sich mit den Franzosen verbündet und bilden den linken Heeresflügel Napoleons zusammen mit den Holländern. Auch das badische Heer wird sich zusammen mit dem württembergischen Heer den Franzosen anschließen.
Der russische Zar Alexander wird mit dem preußischen König in Warschau oder in einer anderen polnischen Stadt eine Besprechung haben – Das französische Heer rückt von Tag zu Tag weiter in Schwaben vor. – Die Österreicher stehen standhaft an der Iller. – Es ärgert einen, die Schriftchen und Erklärungen zu lesen, die die Franzosen und der Bayer gegen Kaiser Franz veröffentlichen.
Der Landgraf von Darmstadt hat seine Truppen zurückgezogen. – Der Franzose hatte von ihm eine 6.000 Mann starke Hilfstruppe gefordert; nun verlangt er riesige Mengen Holz für die Festungen in Kehl und Kastel aus der Gegend von Mainz.
Napoleon ist am 4. Oktober in Stuttgart, der Hauptstadt Württembergs, gewesen; dorthin kam er aus der „Ludwigsburg“ genannten Festung; zu seiner Ankunft wurden Kanonensalven gefeuert und zwei Stunden lang wurden alle Kirchenglocken geläutet. Die Franzosen rücken weiter und weiter vor mit dem Ziel, mit den Österreichern vor der Ankunft der Russen zu kämpfen. –

Unsere Pension haben wir nicht am heutigen Tage, d.h. am 12. Oktober, erhalten; der zuständige Verwalter hat kein Geld; deshalb hat er an die Kammer in Wiesbaden geschrieben, aber von dort keine Antwort erhalten. Der Kurfürst von Württemberg hat Napoleon 6.000 Soldaten und 600 Jäger, der Kurfürst von Baden 4.000 Soldaten geschickt.

Seite 7 - 1805
Die Franzosen haben am 8. Oktober die Donau überschritten und zwangen die Österreicher unter ihrem Oberbefehlshaber Kienmayer sich zurückzuziehen  und setzten eine Brücke, die jener abreißen wollte, sofort wieder instand: Auf Seiten der Österreicher sind viele getötet, mehr noch verwundet und von den Franzosen als Gefangene abgeführt worden: Dies war die erste für die Österreicher missglückte Schlacht gewesen. – Napoleon hat, wie ich schon erwähnte, geschworen, dass er nach Wien marschieren und dort Weihnachten feiern werde.
Die Franzosen werden - wie man sagt: „en masse“ - eingezogen und müssen im Alter von 20 bis 60 Jahren zu den Waffen greifen. Vier Distrikte (jene sagen „Departements“), d.s. Donnersberg, Mosel-Rhein, Saar und Rur, sind unter Waffen und sind zur Verteidigung Hollands bestimmt worden.
Wahr ist, dass die Franzosen in Donauwörth die Donau überschritten haben, allerdings nicht ohne Verluste; auch Günzburg haben sie besetzt. Die Österreicher hatten einige Tausend Verwundete, Gefangene und Gefallene. Die Russen haben sich mit den Österreichern verbündet. –
Nach dem 13. Oktober soll am Lech eine heftige Schlacht stattgefunden haben: Napoleon hat in Augsburg sein Hauptquartier aufgeschlagen; von der Stadt wird viel Tribut gefordert sowohl an Tuchen als auch an anderen Dingen.
Am 14. Oktober und an den folgenden Tagen entrissen die Franzosen den Österreichern Memmingen und Ulm; es gab auf beiden Seiten große Verluste, größere allerdings auf der Seite der Österreicher. Die Österreicher haben in der von den Franzosen gegen Ulm geführten Schlacht – nach den jüngsten Meldungen -  20.000 Mann verloren, die sich dem Feind ergeben mussten, darunter die Generäle Mack, Godesheim, Klenau und Werneck und weitere (wenn das wahr ist).
 Einheiten der Franzosen, von den Marschällen Marmont, Bernadotte u.a. geführt, haben Kempten u.a. Städte besetzt. Napoleon setzt seinen Marsch nach München fort.
Was ich über die Niederlage der Österreicher geschrieben habe –wird leider täglich mehr zur Wahrheit!

Seite 8 - Oktober
Napoleon ist am 24. Oktober von Augsburg nach München aufgebrochen. Man erwartet Geschachere  (um Länder) und Auseinandersetzungen in Bezug auf Tirol.
Zar Alexander von Russland kam als Erster in Berlin an und ist mit überwältigenden Ehren empfangen worden. – Die offiziellen Beziehungen geben keine sichere Aussage über die kaiserlichen österreichischen und  russischen Heere.

November
Der Vormarsch und die Siege Napoleons nehmen immer mehr zu; es heißt, dass am 3. November der Koblenzer Präfekt des Departements Rhein-Mosel, Alexander de Lameth, mit anderen Franzosen in Neuwied gewesen ist und einen bestimmten Zeitungsredakteur , der für die „Teutsche Cronick“ schreibt, schwer beschimpft und ihm verboten hat, seine Berichte fortzusetzen !!
Am 10. November erschien die „Teutsche Cronick“ wieder, aber unter dem Namen „Annalen von Deutschland“. Die Franzosen sind in Salzburg einmarschiert; die Österreicher haben sich nach Braunau am Inn zurückgezogen; die Truppenspitze scheint nach Kärnten zu marschieren, um Erzherzog Karl vom Rücken her anzugreifen und ihn zwischen den beiden Fronten tief in der Mitte zu besiegen.
Die französischen  Truppen haben den Inn überschritten und marschieren mit Napoleon auf Innsbruck zu, ja, sie haben die genannte Stadt sogar schon besetzt.
Die Preußen sind in Hannover einmarschiert; die Franzosen schützen Hameln mit einer Schutztruppe von 10.000 Soldaten; man sagt, dass die Franzosen auf Befehl des Kaisers den Kurfürsten von Hannover tiefer im Landesinnern zurücklassen werden.
Die Zeitungen berichten, dass die Franzosen ständig weiter vorwärts marschieren, dass Napoleon am 3. November nach Linz in Österreich einmarschiert sei, dass die Bayern und Franzosen die Festung Kufstein an der Grenze zu Tirol den Österreichern entrissen und diese eine große Niederlage in Italien erlitten hätten.

Seite 9
Man sagt, dass die Franzosen in Wien einmarschiert und die Kaiser-Familie nach Ungarn geflohen sei, und man fügt hinzu, dass auch Erzherzog Karl vom französischen Marschall Masséna in Italien in mehreren Schlachten besiegt worden sei – ja, in den offiziellen Zeitungen wird sogar erzählt, dass die Wiener eine Gesandtschaft an Napoleon geschickt hätten mit der Bitte, dass er – was unglaublich ist- seinen Einmarsch nach Wien beschleunigen solle. Der bayerische Kurfürst, dieser Verräter und Feind Deutschlands, ging mit seiner Frau und seinen Kindern von Würzburg nach München.
Zar Alexander von Russland ging von Berlin nach Weimar, wo seine Schwester Maria, die den erstgeborenen Sohn des Herzogs von Sachsen-Weimar geheiratet hat, wohnt.
Am 19. Oktober. ist die französische Flotte gemeinsam mit der verbündeten spanischen Flotte aus Cádiz ausgelaufen; am 21. Oktober. hat sie der englische Admiral Nelson angegriffen und einen viel umjubelten Sieg errungen: (Randbemerkung: Sieg) 19 Kriegsschiffe haben sich Nelson ergeben, zwei wurden versenkt und eines ging darüber hinaus in Flammen auf. – Mittlerweile ist - was mehr, als man sagen kann, zu bedauern ist- der Held Nelson tot aufgefunden worden, nachdem eine  Kugel aus einer kleineren Handfeuerwaffe  abgefeuert worden war.
Der Kommandeur der französischen Flotte, Villeneuve, ist mit vielen Offizieren gefangen genommen worden. Der Kommandeur der spanischen Flotte trank zusammen mit seiner Leibgarde Wasser und starb. Wenige Tage nach diesem Sieg nahmen die Engländer in einer zweiten Schlacht den Franzosen weitere vier Schiffe weg.
Die Franzosen fielen unter der Führung von Mortier und Paraquai in Böhmen ein, wurden aber von den Österreichern durch eine nicht unerhebliche Niederlage zurückgeworfen.

Nahe der Kapelle des heiligen Hippolyt, d.h. bei St. Pölten in Österreich, gab es eine heftige Schlacht, in der der österreichische General von Schmidt, der die Schlacht kommandierte, zu Tode kam; auch die Franzosen erlitten hier nicht unbedeutende Verluste; des ungeachtet eilt Napoleon inzwischen weiter nach Wien, ja, es scheint sogar sicher zu sein,  dass ein Teil des französischen. Heeres unter der Führung von Murat in Wien bereits angekommen war.

Seite 10
Die Franzosen rückten in Mähren bis Brünn vor; Kaiser Franz floh nach Olmütz, er scheint von allen verlassen zu sein. Napoleon ließ sein Kaiser-Ornat nach Österreich bringen; vielleicht will er als Kaiser Österreichs begrüßt und gekrönt werden.  Er hat in Ober- und Niederösterreich seine politische Herrschaft eingerichtet; diese wird sich auch in der Steiermark, in Kärnten und in den anderen österreichischen Provinzen, wo die Franzosen einmarschiert sind, durchsetzen.
Dezember
Der Kurfürst von Bayern soll, so sagt man, von Napoleon zum König von Bayern – oder unter einem anderen Titel - proklamiert werden. Eugène Beauharnais, ein Stiefsohn Napoleons, jetzt Vizekönig von Italien, wird Augusta, die Tochter des bayrischen Kurfürsten, heiraten.
Ein allgemeines Gerücht sagt, dass in der Gegend von Brünn die Franzosen von österreichischen und russischen Soldaten unter Führung von Kienmeyer besiegt worden sind, wie auch, dass Napoleon dem König von Preußen den Krieg erklärt hat (das glaube ich noch nicht).
Die Russen, Engländer, Schweden und Preußen marschieren Richtung Holland.
Viele Einheiten der Franzosen nähern sich weiter teils auf dem Rhein, teils auf einer öffentlichen Straße Bonn, wo ein Heer von 60.000 Franzosen zusammengezogen werden soll.
Die Herrschaftsgebiete der nassauischen Fürsten erfreuten sich – sagt man - der Neutralität; inzwischen wird das Archiv des Fürsten von Weilburg aus dem Tal [Dahl = Ehrenbreitstein]  nach Weilburg gebracht.
Zar Alexander von Russland ist in Olmütz angekommen; frische Einheiten der Russen sind im Bereich von Brünn und Olmütz angekommen; diese Einheiten hat Konstantin, ein Bruder von Zar Alexander, herangeführt; und schließlich marschieren 100.000 Soldaten von Russland nach Deutschland.
2. Dezember
Die Franzosen sollen den Österreichern und Russen bei Austerlitz in Mähren eine neuerliche Niederlage zugefügt haben: Alles wird für das österreichische Haus immer  schlechter – ach, welch ein Schmerz! Sie unterliegen.
Das, was folgt, wird überall bekannt gemacht:
1. Kaiser Franz  hört auf, Kaiser von Deutschland zu sein.
2. Er wird auf alle (Seite 11)  Provinzen in Italien verzichten - ebenso wie auf Tirol und einen bedeutenden Teil Österreichs.

3. Ferdinand, Bruder von Kaiser Franz, gerade zum Kurfürsten von Salzburg ernannt, wird des genannten Kurfürstentums beraubt.
4.  Der Kurfürst von Bayern wird als König von Bayern inthronisiert und ihm werden Tirol, ein Teil Österreichs und die Provinz Salzburg übergeben.
5. Die Kurfürsten von Württemberg und Baden werden zu Königen ernannt; der Erstere erhält die Besitzungen des Deutschen Ordens und des Malteser-Ordens, der Letztere erhält die Schweiz – usw.
Der Preuße wird – ohne Zweifel - auch einen gewissen Anteil erhalten.
Armer Kaiser Franz! So bist du hintergangen worden! Was soll man über deine Minister und Räte denken? Nun geschieht, was der Nationalkonvent der Franzosen vor 13 oder 14 Jahren öffentlich gesagt hat: „Kaiser Franz der Zweite und der Letzte“.
Die Preußen werden in unsere Provinz kommen. Die Franzosen sind in Düsseldorf einmarschiert.
12. Dezember
In Koblenz ist auf Grund der Nachricht vom Sieg über die Österreicher und Russen von 20.00 bis 21.00 Uhr auf allen Kirchtürmen geläutet worden und Kanonensalven sind gefeuert worden: Es war angeordnet worden, dass alle Kirchen beleuchtet und dass andere öffentliche Feierlichkeiten abgehalten werden.
Man sagt, dass nach der Schlacht bei Austerlitz die Kaiser Franz und Napoleon in einer Mühle nicht weit von Brünn Verhandlungen geführt hätten, wo sie auch über einen Waffenstillstand verhandelt haben; es wird hinzugefügt, dass sich auch Minister, der Franzose Talleyrand, der Preuße Haugwitz u.a., nach Brünn begeben haben, wo Verhandlungen über die Wiederherstellung des Friedens zu führen waren.
Wenn neuesten Nachrichten zu glauben ist, so haben die Russen bei Austerlitz mehr als 40.000 Soldaten verloren, dazu 120 Geschütze und den gesamten Tross.
Die Bayern sind bei Iglau in Böhmen von Erzherzog Ferdinand in einer Schlacht geschlagen worden.
Wie in Augsburg unter dem 11. Dezember und in Stuttgart unter dem 12. Dezember verzeichnet wird, sind die Vorgespräche für einen Friedensschluss abgeschlossen worden.
Alles ist konfus: Wir wissen nichts Sicheres: Was heute versichert wird, wird morgen widerrufen.

Seite 12 -
1805
Graf Haugwitz, der preußische Sondergesandte bei Napoleon, ging am 18. Dezember von Wien weg; was er verhandelt hat, bleibt geheim. Der Preuße und der Kurfürst von Sachsen rücken mit ihren Heeren in Franken und Westfalen nicht weiter vor.
Die Kurfürsten von Bayern, Württemberg und Baden ergreifen mit Waffengewalt Besitz von den in ihren jeweiligen Kurfürstentümern gelegenen Gütern des Deutschen und des Malteser-Ordens sowie des Adels. Der Herzog von Württemberg, bis jetzt Kurfürst, hat sich selbst zum König erklärt.

1806 - Januar
Eine öffentliche Nachricht besagt, dass am 27. Dezember ein Frieden zwischen Napoleon und Franz II. geschlossen wurde, und zwar in Schönbrunn. Welches die Friedensbedingungen sind, wird bisher verschwiegen. Am 31. Dezember kam der Kaiser der Franzosen in München an, wo er mit riesigem Pomp empfangen wurde. Unser allergnädigster Kurfürst und ehrwürdigster Erzbischof ist von Augsburg und der Erzkanzler ist von Regensburg aus nach München zu Napoleon aufgebrochen.
Die Preußen kamen in Friedberg und in Usingen an. Viele tausend Franzosen marschieren nach Mainz, sie scheinen nach Italien weiter gegen den König von Sizilien und Neapel vorzurücken.
Die Franzosen haben in Hochheim ungefähr 300 Fußsoldaten und 30 Reiter stationiert.
13. Januar
Erzkanzler I.R.J. von Dalberg hat Eugène Beauharnais, Vizekönig von Italien, mit der bayrischen Prinzessin Augusta in München getraut - in Gegenwart von Kaiser Napoleon, der den genannten Eugène, seinen Stiefsohn, als Sohn adoptiert und ihm die Herzogtümer Parma und Piacenza geschenkt hat. Prinz Eugène feierte die Hochzeit durch einen Stellvertreter.

Seite 13
- 1806
Am 16. Januar beginnen die Franzosen, Wien zu verlassen, und müssen ab 1. Januar innerhalb von 20 Tagen Österreich und innerhalb von 40 Tagen alle Erbprovinzen dieses hohen Hauses verlassen.
Die Kurfürsten von Bayern und Württemberg schreiben sich Könige und empfingen in ihrem königlichen Stand von ihren Untergebenen Huldigungen. Der Kurfürst von Baden wies den königlichen Titel zurück.
Der russische Zar Alexander kam in Petersburg an, sein Bruder Konstantin hält sich bisher in Berlin auf. Das russische Heer kehrt durch Galizien nach Russland zurück.
Der Preuße schickte Graf Haugwitz als Sonderbotschafter nach Paris. Preußen wird aus diesem unglücklichen Krieg die größten Vorteile ziehen – oh armes Österreich!
Der Bayer bekommt den größten Teil von Tirol und einen nicht unbedeutenden Teil von Österreich dazu – und wird das Herzogtum Würzburg und das Fürstentum Bamberg verlieren - so sagt man.
Das Amt des Großmeisters des Deutschen Ordens wird im österreichischen Haus erblich sein, ohne irgendeine Wahl; und die Güter des Malteser-Ordens werden mit denen des Deutschen Ordens zusammengelegt.

Graf Colloredo, leitender Minister in Österreich, und Graf Cobenzl, Vizekanzler des genannten Hauses, erhielten ihre Demission unter Einbehaltung ihres Gehaltes – wie auch einige andere entlassen wurden. Fürst Auersperg, der versäumt hatte, die bei Wien über die Donau führende Brücke, die sog. Thabor-Brücke, abzureißen, muss in einer gewissen in Böhmen gelegenen Festung als Gefangener bleiben. Er verlor auch das Kommando über eine adlige Garde; dieses erhielt Fürst Liechtenstein.
Die italienischen Besitztümer, d.h. die Republik Venetien, Dalmatien, Istrien usw. hat das österreichische Haus dem Königreich Italien abgetreten. Die Grafschaft Tirol und die Besitztümer in Schwaben, die Ortenau und den Breisgau erhalten und plündern mit vielen anderen Dynastien der Bayer, der Württemberger und der Badener, indem sie diese untereinander teilen.

Seite 14 - 1806, Februar
1. Februar: Erzherzog Ferdinand von Österreich, bisher Kurfürst von Salzburg, hat nach Entlassung aus dem Kurfürstentum, dem er zugunsten des Kaisers des österreichischen Hauses entsagen musste, den Besitz des Herzogtums Würzburg, das zu einem Kurfürstentum erhoben wurde, übernommen.
Man sagt, dass der preußische König das Fürstentum Ansbach dem Neu-König von Bayern abgetreten und an dessen Stelle das Fürstentum Bamberg erhalten hat.
Die Franzosen breiten sich bis zum Main aus, und zwar am rechten Ufer bis nach Frankfurt und oberhalb; die Grafschaft Hanau nehmen sie jedoch unversehrt in ihre Obhut.
Der preußische König wird das Kurfürstentum Hannover wie auch das Fürstentum Osnabrück mit seinem militärischen Schutz sichern.
Pitt: Im vergangenen Monat starb der Prime-Minister des Königs von England, William Pitt Graf von Chantham, unter sehr großer Trauer Englands im Alter von 47 Jahren. Und so verlor England innerhalb von 3 Monaten seine bedeutendsten Männer, d.h. Nelson und Pitt.
Frankfurt: Die Franzosen forderten von der Stadt Frankfurt 4 Millionen Franc. Sie schlugen in Würzburg und Umgebung ihr Winterlager auf.
Vor einigen Tagen sind die Franzosen unter Führung von Augerau bis nach Limburg vorgerückt. Ein Standlager befindet sich in Diez; im Oberamt Limburg haben 6.000 Fußsoldaten ihr Quartier; und Weilburg soll Reiter aufnehmen – hatte diese aber am 28. Februar noch nicht.
Französische Einheiten, mit denen holländisches Militär verbündet ist, sind auch in im Amt Ehrenbreitstein, offenbar auch in Lahnstein, Arzheim und anderen Ortschaften angekommen.
25. Februar - Die Franzosen nehmen im Tal von Ehrenbreitstein Quartier; ihr Lazarett befindet sich bei den Kapuziner-Patres; dieses ist jedoch später auf die untere Rheininsel zum Kloster der Nonnen  verlegt worden.

Der Kommandeur der Franzosen, Bernadotte, hat das Fürstentum Ansbach für den bayrischen Kurfürsten (der jetzt als König bezeichnet werden will) mit französischem Militär gesichert.
Der Preuße hat das Kurfürstentum Hannover zusammen mit der Hansestadt Bremen besetzt.

Seite 15

1806, März - 4. März
Französische Truppen, sowohl Kavallerie als auch Infanterie, halten sich in großer Zahl bislang in Schwaben, Bayern, an Main, Rhein und Lahn auf. In Neapel sind, wie gemeldet wird, die Franzosen einmarschiert. Napoleon hat geschworen, dass der König von Neapel und Sizilien seiner beiden Königreiche durch ihn enteignet werden müsse.
Die Franzosen werden sowohl in Limburg als auch in anderen Städten und Ortschaften mit immensen Tributen unterhalten. Zar Alexander sammelt ein Heer mit 200.000 Soldaten in Litauen.
Die Kosten, die die französischen Generäle in Limburg verursachen 12, belaufen sich auf über 1.400 Gulden pro Tag.
Ganz Deutschland scheint ein anderes Gesicht zu bekommen: Das Fürstentum Ansbach ist mit Bayern vereinigt worden; es geht das Gerücht, dass die Besitzungen des Königs von Preußen am Niederrhein auf die Holländer übergehen werden.
Das österreichische Haus wird sowohl hinsichtlich seiner Entwicklung als auch hinsichtlich seiner Regionen sehr geschwächt:  Die Franzosen lassen über 800 größere Geschütze aus Österreich nach Frankreich überführen und täglich fahren mit Geld beladene Wagen dorthin. – Dieses ehrwürdige und gottesfürchtige Haus ist von allen verlassen worden; aber Gott wird seine Hand nicht völlig von ihm wegziehen.
12.-21. März - Holländische Soldaten sind in Sayn angekommen; man sagt, dass noch mehr nachfolgen werden; sie kommen von Pfaffendorf und haben auch in Vallendar und in Weitersburg ihre Quartiere. Am Abend, so nach 20.00 Uhr, kehren die genannten Soldaten von Sayn nach Vallendar zurück.
Wundersames und Unglaubliches geschieht: Der Preuße verzichtete mit dem Bayern auf die Herzogtümer Berg und Kleve wie auch auf andere Besitzungen am Rhein zugunsten Napoleons, der die genannten Herzogtümer Murat übergeben hat, der seine Schwester geheiratet hat (unter welchem Titel, wird in Kürze feststehen).
22. März - Joachim Murat ist in Düsseldorf zum Herzog von Kleve und Berg proklamiert worden: Oh, armes Deutschland! Es werden noch viele Veränderungen in Deutschland folgen (gestrichen: Der Preuße hat das Kurfürstentum Hannover besetzt.)

Seite 16 - 1806
Die englische Flotte hat unter Leitung des Grafen Duckworth die französische Flotte bei der Insel San Domingo in Amerika in einer Seeschlacht am 7. Februar geschlagen; sie nahm denFranzosen drei Kriegsschiffe weg, zwei verbrannte sie; das größte französische Schiff hatte 140 größere Geschütze,
April
Joseph, Bruder Napoleons, ist zum König von Neapel und Sizilien proklamiert worden.
Die französischen Truppen, die ans linke Rheinufer zurückgegangen waren, kehren wieder nach Deutschland zurück. In Limburg, Montabaur und in anderen Städten und Ortschaften der Hohen Straße  wird die französische Kavallerie und Infanterie verstärkt.
Wenn man dem allgemeinen Gerücht glauben darf, so werden neue Kriege vorbereitet, und zwar zwischen dem Russen und dem Preußen (was ich nicht glaube), ebenso zwischen den Engländern und Schweden gegen den genannten Preußen.
Joachim Murat (jetzt Herzog von Kleve) wird seinen Machtbereich bis an den Main ausdehnen.
Mai
Der englische König hat gegen den König von Preußen eine scharfe, aber korrekte Deklaration wegen des geraubten Besitzes des Kurfürstentums Hannover veröffentlicht: Alle preußischen Schiffe werden in den englischen Häfen gewaltsam zurückgehalten, und gegen jene, die auf dem Meer oder auf anderen Flüssen von den Engländern ergriffen werden, wird wie gegen feindliche Schiffe der Kampf eröffnet.
Juli
Französische Fußsoldaten und Reiter bringen die Nachbarschaft in größte Not.
16. Juli: Das Nonnenkloster in Besselich ist aufgehoben (säkularisiert) worden: Einzelne Nonnen erhalten jährlich 200 Gulden und ihre Mutter (die würdige Mutter oder eher unwürdige!) erhält 300 Gulden.
Es gibt einen Fehler, und zwar einen sehr schwerwiegenden, in dieser Welt: Deutsche Prinzen heiraten korsische und französische Mädchen, die mit Napoleon und seiner Familie blutsmäßig verbunden sind.
Der Fürst-Primas, jetzt Erzbischof von Regensburg, Carl Theodor von Dalberg, hat Kardinal Fesch, Onkel Napoleons, als seinen Koadjutor erbeten.

Seite 17 - 1806, Juli
Der Franzose und der Engländer verhandeln, wie man sagt, über den Frieden; dasselbe wird über den russischen Zaren und den Franzosen gesagt. Gustav Adolph, der König der Schweden, bleibt fest bei seinem Grundsatz und will von Frieden nichts wissen.
20. Juli
Ein Vor-Friedensvertrag ist, wie viele es wünschen, zwischen den Russen und Franzosen in Paris unterzeichnet worden. Die französischen Truppen, in Deutschland überallhin verteilt (ausgenommen Hessen, Sachsen, Preußen und Österreich), quälen die Menschen und pressen alles aus ihnen heraus und schicken sich noch nicht an, abzumarschieren. Eine neue Verfassung für Deutschland soll am 15. Juli in Paris unterzeichnet worden sein. Der Reichstag in Regensburg wird aufgelöst – Frankfurt weicht vor dem Reichs-Erzkanzler.

August
Der Fürst von Weilburg hat 80.000 Pfund oder –wie andere sagen- 80.000 Gulden beim Spiel in Paris verloren.
2. August
Die Franzosen, die sich in der Nachbarschaft befinden, ziehen ab: Wohin? Wir wissen es nicht.
Die wegen des Dauerregens geernteten Früchte können nicht nach Hause weggefahren werden.
31.August
Fürst Friedrich-August von Nassau-Usingen hat sich – wie das ältere nassauische Herrscher-haus - zum Herzog ernannt. Ihm ist die Oberherrschaft übertragen worden für die untergebenen Herrscherhäuser der Grafschaften Neuwied und Wied, der Fürstentümer Solms, Diez, Schaumburg usw. – und vieler Ämter.
1. August
Der Bayer, der Württemberger (jetzt Könige), der Badener und der Erzkanzler, bisher Kurfürsten, Nassau-Usingen, Hohenlohe, Bartenstein, Hessen-Darmstadt und andere von den Reichsgrafschaften haben sich zu Geheimbesprechungen zurückgezogen und schlossen unter dem Schutze  Napoleons untereinander ein Bündnis; die Artikel dieses Bündnisses kennen wir bisher nicht.
6. August
Nach neuesten Informationen waren zwei Erklärungen verfügt worden, in denen Kaiser Franz II. dieser Kaiserwürde freiwillig entsagt – oh, welche Zeiten!

Seite 18 - August
Der Preuße bereitet alles für den Krieg vor: Gegen wen? Man weiß es nicht.
Die Franzosen halten sich bis jetzt in der Nachbarschaft auf; sie machen unerhörte Auflagen.
September
Wo immer die Besitznahme von Fürstentümern, Grafschaften oder herrschaftlichen Gütern erfolgt ist, wird sie zuerst im Namen Napoleons vom französischen Kommissar vorgenommen, der die betroffenen Güter dann dem Kommissar jenes Königs, Herzogs oder Fürsten übergeben hat, dem sie zugewiesen waren. Vom Generalvikariat von Limburg wurde allen Pfarreien des Erzbistums Trier die Weisung gegeben, dass am 14. September eine Hl. Messe gehalten werden soll für eine glückliche Regentschaft des neuen Herzogs von Nassau, Friedrich August, zu welchem Zweck auch eine Predigt gehalten werden soll, und nach dem Gottesdienst soll das Te Deum gesungen werden.
Der Preuße zieht seine Truppen in Magdeburg zusammen; die Stadt soll mit einer neuen Schutzwehr gesichert werden. Der russische Zar hat die Bestimmungen des mit Napoleon geschlossenen Friedens nicht unterschrieben. In Kalabrien wird sehr heftig zwischen den Franzosen und den Engländern, denen sich viele Tausend Kalabresen angeschlossen haben, gekämpft; inzwischen wüten auch die Franzosen mit Schwert und Feuer grausam gegen die Städte und ihre Bewohner.

Die Schweden haben das Herzogtum Lauenburg im Namen des englischen Königs vom Preußen erhalten. Die Franzosen verharren weiterhin unbeweglich in der Nachbarschaft: fast alle Leute jeden Standes geraten wegen der unerträglichen Auflagen der Franzosen in größte Not.
23. September
Französische gepanzerte Reiter haben in der Nachbarschaft und hier Quartier genommen; für die Soldaten und ihre Pferde muss alles gratis zur Verfügung gestellt werden.
Eine große Zahl französischer Reiter und Fußsoldaten marschiert von Köln nach Koblenz und weiter.
D. Fox, der Prime-Minister von England, ist gestorben.
24.  September
Viele tausend Franzosen, vor allem Reiter, sind auf dem Weg durch Vallendar nach Grenzhausen und von dort in die Städte und Dörfer im Bereich des Westerwaldes weitergezogen.
 
Seite 19
- 1806
Einige wünschen, dass die Franzosen in Hessen einmarschieren. Napoleon soll am 28. September in Mainz angekommen sein.
Oktober: Die Engländer haben den Spaniern Buenos Aires in Amerika entrissen.
Im Herzogtum Nassau werden Soldaten ausgehoben; Vallendar muss 35 geben, Sayn dreieinhalb, Heimbach Gladbach, Weis 7.
Napoleon bricht zum Heer nach Franken auf, er führt 300.000 Soldaten in die Schlacht: Die Könige und Herzöge des Rheinbundes schließen mit sich mit 72.000 Mann den Franzosen an.
Der Kurfürst von Sachsen hat seine Truppen mit den Preußen vereinigt.
Der österreichische Kaiser hat – wie auch der Kurfürst von Hessen - verkündet, strikteste Neutralität zu wahren. Nahe Schweinfurt sammelt sich das französische Heer im Lager.
Die Franzosen haben die Markgrafschaft Bayreuth besetzt, auch in Coburg und Sachsen-Meiningen sind sie einmarschiert. Standlager der Preußen sind in Erfurt aufgestellt worden.
10. Oktober: Die Preußen sind in Fulda und dehnen sich bis Neuhof aus.
13. Oktober: Die Soldaten von Nassau-Usingen sind in Vallendar angekommen, sie führen die jungen zum Kriegsdienst ausgehobenen Soldaten nach Wiesbaden.
20. Oktober: Wieder werden junge Männer von 18 bis 30 Jahren für den Militärdienst ausgehoben, das Amt Vallendar muss 70 Männer stellen.
Vieles und Unterschiedliches wird über die Konflikte, die zwischen den Preußen und den Franzosen in Thüringen und im Vogtland am 9. und 10. September ausgetragen wurden, erzählt und geschrieben, dabei werden die Preußen gestern als Besiegte und heute als Sieger genannt: es darf nicht gefragt werden, was wahr ist.
21. Oktober: In Koblenz sind Salutschüsse abgefeuert worden und auf den Glockentürmen ist wegen der Nachricht vom Sieg über die Preußen geläutet worden.

Es heißt, dass zwischen den Franzosen und den Preußen am 14. September ein heftiges Gefecht stattgefunden habe, in dem die Franzosen siegreich gewesen sind.

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- 1806, 14. Oktober
Der Konflikt – nicht weit von Jena (Auerstedt) entfernt - zwischen den Franzosen und Preußen, bei dem die Franzosen Sieger waren, war sehr blutig; 25.000 Preußen wurden als Gefangene abgeführt und mit ihnen 100 und mehr Geschütze. Mehrere hochrangige Kommandeure sind getötet worden, andere werden als Gefangene zurückgehalten; unter den bekanntesten werden die Generäle Rüchel und Schmettau genannt; einige erwähnen auch den Herzog von Braunschweig; unter den Gefangenen ist auch der Fürst von Oranien; Erfurt hat sich den Franzosen ergeben;  6.000 Preußen wurden gefangen genommen. Ferdinand Prinz von Preußen und Bruder des Königs (Friedrich II.) ist in der Schlacht am 10. Oktober gefallen.
17. Oktober: Die Franzosen haben die Preußen erneut in einer Schlacht geschlagen; sie marschieren weiter nach Magdeburg; in Halle sind sie eingerückt; über 300 Geschütze sowie auch den gesamten Tross haben sie von den Preußen erhalten. Nun geh, Preuße!
22. Oktober: Die Franzosen sind in Berlin, Napoleon in Potsdam; der Herzog von Braunschweig lebt noch, er hat eine Verwundung zwischen der Nase und den Augen erlitten.
Die Verluste der Preußen sind enorm: über 60.000 Mann haben sie verloren, wenn man die Verwundeten, Gefallenen und Gefangenen zusammenrechnet.
27. Oktober: Napoleons Premierminister Talleyrand ist von Mainz nach Berlin oder Dresden abgereist – vielleicht wird über einen Frieden verhandelt.
Spandau hat sich den Franzosen ergeben, die in Preußen allerorten weiter und weiter vorrücken.
Der Preuße hat von Napoleon einen sechswöchigen Waffenstillstand erbeten, was abgelehnt worden ist.
November
Der König von Preußen hat sich nach Breslau begeben.
4. November: Der Herzog von Sachsen-Weimar, Kommandeur Preußens, ist zusammen mit seinem Sohn, der auch preußischer General gewesen war, nach Weimar zurückgekehrt.
2. November: D. Hoffmann, Dechant des Landkapitels Engers, ist gestorben.
Die Preußen haben unter der Führung des Fürsten von Hohenlohe ein Heer von 50.000 Soldaten in der Nähe von Magdeburg zusammengezogen: Dem Kurfürsten von Sachsen ist von Napoleon Neutralität zugestanden worden.

Seite 21 - 1806
Die Franzosen sind in Hessen einmarschiert, und der Hesse musste seine zusammengezogenen Soldaten – ungefähr an die 5000 oder 6.000 - entlassen. Von Napoleon ist ein Kommissar nach Dresden geschickt worden. Leipzig musste eine große Menge in England hergestellter Tuche den Franzosen geben.
Die Franzosen sind in Stettin einmarschiert: Bei Prenzlau ist der Fürst von Hohenlohe gezwungen worden, sich mit seinem Heer von 12.000 Reitern und Fußsoldaten und 32 Geschützen zu ergeben.
Die Franzosen zwangen Küstrin, sich zu ergeben. Dort fanden sie königliche Schätze, darunter  sehr viele Pretiosen.
Der preußische Kommandeur, Fürst von Hohenlohe, ist Gefangener der Franzosen geworden – mit 16.000 Fußsoldaten und 6.000 Reitern und dem gesamten Tross.
Die Franzosen begannen kriegerische Auseinandersetzungen im Herzogtum Lauenburg mit dem preußischen General Blücher; nahe Schwerin fand zwischen denselben Gegnern eine weitere Auseinandersetzung statt: Beide gingen für Preußen unglücklich aus.
Die Preußen besetzten am 11. Oktober Lübeck, aber die Franzosen folgten ihnen unmittelbar.
Der preußische König floh nicht nach Breslau, sondern nach Graudenz. Über die Russen gibt es nur tiefes Schweigen.
Die Franzosen zählen über 100.000 preußische Gefangene, das ganze Heer des preußischen Königs ist versprengt, gefallen oder gefangen; inzwischen sollen sich neue Truppenverbände der Preußen und Russen in Königsberg sammeln.
Die Engländer bereiten eine Militärexpedition unter General Moira vor: Die Franzosen kehren in einzelnen Schwadronen aus Dalmatien zurück und sollen dennoch einen siegreichen Kampf mit den Russen und Montenegrinern geführt haben, nachdem die Festung Buon Castello erobert war; so soll auch Cattaro gezwungen werden, sich den Franzosen binnen kurzem zu ergeben.
Diese verbreitern und vergrößern die Befestigungsanlagen von Braunau und transportieren sehr viele Geschütze nach Mainz.
An die 200.000 Soldaten heben sie aus und schicken sie nach Sachsen und Preußen. Wer dies  gewollt hat, wird es mit dem erfolgreichen Vormarsch der französischen Waffen bald erreichen. Aber die größeren Geschütze sollen für die Eroberung Magdeburgs bestimmt sein.
Die Franzosen haben die Preußen unter General Blücher aus Lübeck vertrieben – nachdem sie  6.000 Gefangene gemacht und viele Geschütze erhalten hatten.

Seite 22
- 1806, November
Die Franzosen sind in Frankfurt an der Oder einmarschiert; ja, sie kamen bis nach Posen in Preußisch-Polen. Fürst Jérôme, ein Bruder Napoleons, hat ein aus Bayern, Württembergern und anderen Verbündeten zusammengestelltes Heer nach Schlesien geführt.
Der Kampf zwischen den Franzosen und den Preußen in Lübeck fand am 6. November statt. Die Franzosen kämpften unter der Leitung des Herzogs von Berg, Murat, des Marschalls Bernadotte Fürst von Pontecorvo , und des Marschalls Davoust gegen die Generäle von Blücher, Braunschweig usw. – Die Preußen waren in Lübeck mit Waffengewalt einmarschiert; am nächsten Tag kamen die Franzosen unter Führung der genannten (Marschälle), griffen die Stadt an und zwangen die Preußen nach einem heftigen Kampf und mit sehr großen Schäden für Lübeck - denn die Stadt wurde ausgeplündert - zurückzuweichen. 5.000 gefallene oder verwundete Preußen und Franzosen lagen in den

Straßen der Stadt: Es war ein sehr heftiger Kampf; General von Blücher, tapfer und couragiert, hat sich schließlich mit seinen Truppen den Franzosen ergeben.
Nach der Eroberung von Lübeck sind die siegreichen Franzosen gegen die Schweden, die das Herzogtum Lauenburg für den englischen König mit ihrem Militär schützten, nach Stralsund weitergezogen; die Schweden wurden aber durch Gegenwind auf der Trave aufgehalten und von den Franzosen gefangen genommen; die Zahl der Reiter und Fußsoldaten belief sich auf 1.500.
Magdeburg ergab sich unter gewissen Bedingungen am 6. November; am 11. November ziehen die Preußen von dort ab und die Franzosen besetzen die Stadt.
Der Herzog von Braunschweig, Kommandierender General der Preußen, starb am 10. November nahe Altona.
Napoleon marschiert mit einem Teil seines Heeres nach Polen weiter; er will angeblich das Königreich Polen wiederherstellen, was ihm auch gelingen wird, falls der russische Zar sich nicht seinen Versuchen widersetzt; Russland, Österreich und Preußen werden ihre Teile (Polens) wieder zurückgeben müssen.
Russland droht, den Türken den Krieg zu erklären.
Napoleon soll erklärt haben, dass er Preußen und Polen nicht verlässt, bis die Engländer alle Inseln, die sie den Franzosen, (Seite 23) Spaniern und Holländern entrissen haben, zurückgeben.
Der französische General Clarke ist nach Wien/Österreich aufgebrochen; was er dort tun wird, weiß man nicht. Inzwischen wird erzählt, dass Napoleon von Kaiser Franz fordert, dass er seine Truppen von den Grenzen Schlesiens, Preußens, Böhmens und Polens abzieht und sich auf eine Kriegserklärung gefasst mache, falls der österreichische Erzherzog Karl als oberster Befehlshaber an die genannten Grenzen vorrücke.
Dezember: Der Fürst von Weilburg hat die Weinberge der ehemaligen Abtei Marienstatt in Engers, Leutesdorf usw. verkauft.
Man sagt, der türkische Sultan habe den Franzosen den Krieg erklärt.  - Auch geht das Gerücht, Napoleon fordere von allen europäischen Nationen, Königen und Fürsten eine Erklärung, ob sie für ihn oder die Engländer kämpfen wollten, auf dass auf jeden Fall ein voller Friede geschlossen werde.
In der Nachbarschaft sollen sich viele Diebe und Wegelagerer aufhalten.
Der Kurfürst von Sachsen ist zum König der Sachsen erklärt worden und hat als solcher mit Napoleon einen Friedensvertrag unterzeichnet. Das russische Heer marschiert aus Polen Richtung Litauen.
1807, 2. Januar
Heute ist ein neuer Amtmann in Vallendar eingeführt worden, sein Name ist Koch – ein Lutheraner;  vorher war er Amtmann in Linz am Rhein, er führt den Titel eines Justizrates.
Napoleon verfolgt die russischen Heere und es hat, wie ein allgemeines Gerücht sagt, schon mehrere Gefechte zwischen den beiden Heeren gegeben, aber man weiß nicht, auf wessen Seite das Glück stand.

Das steht indessen fest, dass unter den Franzosen die Ruhr  grassiert und viele Soldaten  dahinrafft.
Napoleon ist in Warschau angekommen. Mit den Russen gab es Gefechte; ob alle davon zugunsten der Franzosen ausgingen, bezweifeln die meisten.
Inzwischen eilen immer neue Truppen der Franzosen nach Polen.
7. Januar: Breslau  hat sich den Franzosen, Bayern und Württembergern ergeben. 7.000 Preußen gingen in Gefangenschaft.

Seite 24 - 1807
Januar: Die Franzosen haben den Russen bei Pultusk eine schwere Niederlage beigebracht.
8. Februar: Die Russen hatten im Verbund mit dem restlichen Teil des preußischen Heeres eine schwere Schlacht bei Eylau in Ostpreußen gegen das französische Heer geführt, wo die Franzosen Sieger  waren. Auf beiden Seiten sind viele verwundet und getötet worden – oh, wenn uns doch Gott den Frieden schenken würde!
März: Franzosen sind nach der Schlacht bei Eylau an verschiedenen Orten und bei verschiedenen Gefechten gefallen; von den Russen sind viele Tausend getötet oder verwundet worden; wir wissen nichts Sicheres, weil niemand wagt, die Wahrheit zu schreiben.
16. März: De Roques, der unsere auf dem Gelände von Sayn gelegenen Güter im Jahre 1803 auf 12 Jahre gepachtet hatte, ging von hier weg und verkaufte am 17. März und an den folgenden Tagen sein Vieh, Heu, Stroh u.a.;  ob ein anderer Pächter hierher kommt oder ob die Güter verkauft werden, wissen wir nicht.
Mai: Die Güter der Abtei auf dem Gebiet von Sayn sind am 1., 2. und 4. Mai verkauft worden.
Im April sind die in Heddesdorf gelegenen Güter der Abtei Sayn, die öffentlich angeboten wurden, ziemlich teuer verkauft worden: Der Preis lag bei über 24.000 Gulden. Graf Boos will die Güter der Abtei Sayn und Hoffman die Gebäude in Bendorf kaufen.
Verkauf und Kauf unserer Güter sind von der Kammer in Wiesbaden bestätigt und genehmigt worden, insofern die Käufer 5 Prozent hinzugeben; die meisten lehnten es ab, das zu tun.
In Slawonien ist, wie berichtet wird, ein Aufstand ausgebrochen; die Slawonier seien bestrebt, sich von Österreich zu trennen. Aber ich glaube nicht, dass das wahr ist.
Danzig wird von den Franzosen und ihren Verbündeten in einer engen Belagerung umzingelt; die Preußen und Russen versuchten mehrfach auszubrechen.
Ein Waffenstillstand zwischen den Schweden und Franzosen ist bestätigt worden.
Glatz und Cosel in Schlesien werden von den Franzosen und ihren Verbündeten belagert.
10. Mai: Fürst Karl-Friedrich von Nassau-Weilburg ist im Alter von 32 Jahren in Weilburg an rheumatischem Fieber gestorben; deshalb musste an fünf Tagen  von 11.00 bis 12.00 Uhr mittags auf den Kirchtürmen geläutet werden und ist für sechs Wochen jegliche Musik verboten worden!

Seite 25 - 1807
Juni: Danzig hat sich am 24. Mai den Franzosen ergeben; an die 15.000 preußische und russische Gefangene werden abgeführt.
14. Juni - In Friedland fand zwischen Russen und Franzosen eine heftige Schlacht statt, in der die Franzosen siegreich waren.
19. Juni - Kaiser Napoleon von Frankreich und Zar Alexander von Russland schlossen untereinander einen Waffenstillstand.
6. Juli - Der Hochwürdigste Evermodus  Saur in Arnstein, der nach der Aufhebung der Abtei Sayn bis 1797 hier in Sayn wohnte, danach ins Tal Ehrenbreitstein sich zurückzog, ist an Altersschwäche gestorben. Er ruhe in Frieden! Innerhalb von 6 Wochen sind drei Arnsteiner Mitbrüder verstorben: D. Prior Lauer aus Boppard im Juni, D. Mitbruder Lauer aus Camberg, Pfarrer in Winden, und der Hochwürdigste Saur. Die Kammer in Weilburg wird keine Trauer anordnen.
Der Preuße ist fast all seiner Besitzungen entledigt worden; und dies konnte allerdings anders nicht geschehen: Gott nämlich ist wahrhaftig, der sagte: er fällt in die Grube, die er gemacht hat; oder besser:  Wer einem anderen eine Grube gräbt, fällt in diese.
Das österreichische Haus bleibt ruhig. Selim, Sultan der Türken, ist vor einigen Monaten von seinem Thron gestürzt worden; ihm folgte Mustafa IV.
Die Franzosen nahmen nach einer Belagerung siegreich die schlesischen Städte Neisse und Cosel ein.
Napoleon, Kaiser von Frankreich, Alexander, Zar von Russland, Friedrich, König von Preußen, Konstantin, Großfürst von Russland, halten sich z. Zt. in Tilsit, einer bedeutenden Stadt ,  auf.
Der Fürst von Benevent (Talleyrand) von Seiten Frankreichs, Fürst Kurakin von Seiten Russlands  und Kalkreuth von Seiten Preußens verhandeln über den Frieden.
Am 6. Juli hat sich der Kaiser der Franzosen mit dem Zaren von Russland, am 8. Juli mit dem König von Preußen getroffen. Napoleon kam am 24. Juli um die 5. Stunde nachmittags in Frankfurt an; nachdem er  mit Dalberg, dem Fürstprimas des Rheinbundes, einige Stunden verhandelt hatte, reiste er –auf dem Rückweg nach Paris- nach Mainz weiter.

Seite 26 - 1807
Der Preuße verliert alle polnischen Provinzen, die er seit dem Jahre 1772 in seinen Besitz hatte, ganz Westfalen und alle Besitzungen, die am linken Elbufer gelegen sind, auch Magdeburg und den Bezirk Cottbus in der Lausitz. Jérôme Bonaparte ist König von Westfalen, er wird über ganz Westfalen, Hessen, das Herzogtum Braunschweig usw. herrschen. [König Friedrich August von] Sachsen erhält Warschau und alle Gebiete, die der Preuße in Polen hatte, mit dem Titel eines Großherzogs von Warschau.
Der Herzog von Braunschweig, der Kurfürst von Hessen und der Fürst von Oranien verlieren  ihre Provinzen und erhalten jeweils eine Jahrespension; deshalb sind sie unsere Mitbrüder.
Die übrigen Regionen Deutschlands, d. h. das Fürstentum Fulda, das Eichsfeld und die Grafschaft Hannover, hat Napoleon sich für eine weitere Aufteilung zurückbehalten. Deutschland ist unterjocht, unter fremde Herrschaft gestellt, und zwar die der im Westen beheimateten Franzosen: Trauere deiner verlorenen Freiheit nach.
4. Aug. - Der Fürst von (Nassau-]Weilburg ist zusammen mit Minister von Gagern nach Paris aufgebrochen.
5. Aug. - Der Fürstprimas des Rheinbundes ging durch das Tal (Ehrenbreitstein) und von dort nach Koblenz und nach Paris; am Tag zuvor hat sich der Fürst von Petra [vorher: Graf von der Leyen] in dieselbe Stadt begeben. Deutschlands Angelegenheiten werden in Paris entschieden.
Der König von Preußen hat darum gebeten, von Napoleon in den Kreis der Rheinbund-Mitglieder zugelassen zu werden! Hem! Preußische Politik!
16. Juli - Öffentliche Danksagungen für den erhaltenen Frieden werden dargebracht.
20. Juli - Stralsund hat den Truppen der Franzosen und der Fürsten des Rheinbundes seine Tore geöffnet.
Die Dänen haben den Engländern, die mit einer großen Flotte durch den Sund in die Ostsee fuhren und die Dänen zwingen wollten, ihre Partei zu ergreifen, den Krieg erklärt Die Engländer haben in Seeland Fußtruppen und Reiter an der Küste an Land gesetzt, die nicht weit von Kopenhagen ihr Lager aufschlugen.

Seite 27 - 1807
Die Engländer fordern von den Dänen deren Flotte, die sie gegen die Franzosen einsetzen wollen, oder, wie man sagt, die sie aus Dänemark ausfahren lassen wollen, damit die Dänen diese nicht zur Unterstützung der Franzosen einsetzen.
Kaiser Franz will die Tochter seines Oheims Ferdinand, Ludwiga, ehelichen und am 4. Oktober mit ihr feierlich die Vermählung feiern, nachdem er vom Papst die Dispens erbeten und erhalten hat.
Der Sohn von Erzherzog Ferdinand, Franz, wird an demselben Tag die Tochter von Kaiser Franz, Maria Ludwiga, heiraten. Keines von beidem ist geschehen.

11. September: Nach 20.30 Uhr spürte man ein Erdbeben.
Kopenhagen hat sich den Engländern ergeben. Deshalb wird die dänische Flotte gemäß dem Willen der Engländer ihre Dienste tun. Die Engländer haben drei Tage lang mehr als 20.000  größere Feuersalven in die Stadt geschossen , viele Gebäude brannten, viele Menschen wurden getötet und verwundet. Der König floh zu seinem Sohn nach Holstein.
Oktober: Ein Komet ist am 1. und 2. Oktober gesehen worden - und konnte bis zum 23. Okt. gesehen werden. Jérôme Bonaparte, ein Bruder Napoleons, jetzt König von Westfalen, schickte sich an, zusammen mit seiner Gemahlin, einer württembergischen Prinzessin, am 20. Okt. von Paris nach Stuttgart  und von dort weiter nach Kassel zu reisen, der Hauptstadt seines  Königreiches; –  die Reise wurde aber nicht durchgeführt.
November: Mitbruder Augustinus Müller ist am 22. August zum Pfarrer und Schuldirektor  in Wehrheim ernannt worden. Heute, am 24. November, kam er von dort, um zu veranlassen, dass ein Teil seines Hausrates nach Wehrheim gebracht wird.
Die Engländer sind von Kopenhagen abgezogen, nachdem sie vorher die Kriegsschiffe weggeführt und die Häuser in Brand gesteckt hatten, in denen die gesamten Gerätschaften für den Schiffsbau standen.
Der Erstgeborene des Königs von Spanien soll gegen seinen Vater den Tod geplant haben; auch der Zweitgeborene soll desselben Verbrechens angeklagt sein. Die Verschwörung wurde rechtzeitig aufgedeckt, und nachdem die Verschwörer enttarnt waren, hat er dem Sohn verziehen: Welche Zeiten erleben wir?

Seite 28 
  - 1807
Napoleon ist nach Italien aufgebrochen, wohin auch der bayrische König mit seiner Gemahlin und seinem erstgeborenen Sohn abgereist ist.
Die Königin von Etrurien  hat auf ihr Königreich verzichtet und musste mit dem König, ihrem Sohn, der noch ein Kleinkind ist, im Einvernehmen mit dem spanischen König nach Spanien weggehen.
Der König von Portugal bricht, nachdem er die königliche Stadt Lissabon zurückgelassen hat, nach Brasilien auf und ist auch schon abgereist.
Dezember - Die nassauischen Soldaten sind zurückgekehrt.
1808, Januar
Die Franzosen sind in Lissabon angekommen; die russische Flotte ging im Tejofluss vor Anker, und die Engländer kamen mit ihrer Flotte zu spät an. Napoleon fordert von den Portugiesen 100 Millionen Francs.
Februar
Die Franzosen sind mit 10.000 Fußsoldaten und Reitern am 2. Februar  in Rom eingerückt und bewachen mit ihren Soldaten die Engelsburg wie auch die Stadttore.

März
Am 2. März ist der Fürstprimas und Erzbischof von Regensburg, Carl Theodor von Dalberg, nachdem er Paris hinter sich gelassen hatte, nach Deutschland zurückgekehrt: Tiefes Schweigen wird darüber gewahrt, was dort verhandelt wurde.
Der König von Schweden hat sein Bündnis mit den Engländern erneuert.
Die Franzosen sind aus Hamburg, Lübeck und den benachbarten Orten gegen die Schweden losmarschiert
19. und 20. März
Der König von Spanien hat seiner Krone entsagt und zugunsten seines erstgeborenen Sohnes Ferdinand auf sie verzichtet. Die Franzosen liegen nicht weit von Madrid mit einem Heer von 30.000 Soldaten unter dem Oberkommando des Großherzogs Joachim von Berg (Murat) entfernt. Es heißt, dass diese Nachricht korrekt ist. Der König zog sich mit der Königin nach Aranjuez zurück. In Madrid sind große Unruhen gegen den Ersten Konsiliar, der Emanuel, der Friedensfürst, genannt wird, und gegen seine Familie und Freunde entstanden, deren Häuser verwüstet und geplündert wurden.

Anmerkungen (Endnoten)

[1] conflictus ad venum – eigentlich Auseinandersetzungen im Hinblick auf den Verkauf

[2] Johann Georg Pöckelsheim; vergl. Karl d’Ester: Neuwied als Zeitungsstadt, in: Julius und Rolf Strüder: Bilder und Gestalten aus der Vergangenheit der Stadt Neuwied. Zur 300-Jahr-Feier 1653-1953, S. 213f.

[3] „minore Sclopeto“: Das Scopetum ist eine spezielle Handfeuerwaffe; die von einem Soldaten mit beiden Händen getragen und bedient werden muss; vielleicht ist ein „minus Sclopetum“ eine Art Pistole.

[14] “in insulam monalium“: Hier ist das (bis 1811 bestehende) Kloster der Zisterzienserinnen auf der Insel Niederwerth gemeint.

[5] „altae Stratae“: „alta Strata“ = die Hohe Straße“ ist eine seit dem Mittelalter von Kiew über Breslau und Erfurt bis nach Frankfurt führende europäische Handelsstraße

[6]  „saltem = wenigstens“; da diese Bedeutung hier keinen Sinn gibt, stattdessen „darunter“ gewählt

7] Als Napoleon seinen Bruder Joseph 1806 zum König von Neapel ernannte, schuf er für dessen Schwager Jean-Baptiste Bernadotte das Fürstentum Pontecorvo.

[8] ahr profluvium album  = weiße Ruhr, nach der Ahr benannt, wo die Krankheit zuerst erforscht worden sein soll; vergl. BIUM (Bibliothèque interuniversitaire de Médecine, Paris ... (source de la vallée de l'Ahr, Neuenahr, près du Rhin) / Apollon / Apomorphine ...... 1320 Profession / Profluvium / Profus / Proglottis / Prognathisme ...web2.bium.univ-paris5.fr/livanc/?cote=20311&do=pdf

[9] Nach heutiger Kenntnis endete die Schlacht von Preußisch-Eylau unentschieden.

[10] „per quinquenam“ = fünf Tage lang (in Anlehnung an „per novenam“)

[11] „Evermodus“: Der von dem Geistlichen Herrn Saur getragene Vorname „Evermodus“ geht auf einen Prämonstratenser-Heiligen zurück.

[12] Chronopolis ist ein in der Literatur immer wieder vorkommender Begriff, der wohl -ähnlich wie der der 1982 gedrehte französisch-polnische Film „Chronopoli“- i.S.v. „phantastische Stadt“ zu verstehen ist und hier dem Zusammenhang entsprechend etwas abgeschwächt als „bedeutende Stadt“ wiedergegeben wird.

[13] „pyrogtolos ... jambati sunt“:  Diese Stelle wurde hier sinnentsprechend übersetzt.

[14] „Ludidirector“: seit dem 16. Jahrhundert gängige Bezeichnung für den „Schuldirektor“, als Schule noch mit „ludus/ludi = Spiel(e)“ übersetzt wurde.

[15] „Regina Hetruriae“: Napoleon belebte den alten Namen Etruria bzw. Hetruria für die Toskana wieder, als er das Königreich Etrurien schuf, das er 1801 dem Erbprinzen Ludwig von Parma überließ und das seit 1803 von dessen Witwe regiert und 1808 dem französischen Kaiserreich inkorporiert wurde.


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