Das Grabmal des Jakob Georg von Spangenberg und seine Frau Johanna Dorothea von Wallhof

An der Südwand des Al­tarraums befindet sich die 2,20 m breite und 2,80 m hohe Grabplatte des Ehepaars von Spangenberg. Eine schwarze Mar­morplatte wird von einem Stuckrahmen umgeben, dessen untere Seite seit der Höherlegung der Kirche teilweise im Fußboden verborgen war. Muschelorna­mente, trauernde Genien und Trauerge­hänge, die Wappen der Familien Span­genberg und Wallhof sowie Inschriften füllen die Marmorplatte aus. Über dem Rahmen unter einem Baldachin befindet sich ein Kreuz.

Die Ergänzungen am Rahmen durch ei­nen Stuckbildhauer bildeten den Haupt­teil der Restaurierungsarbeiten. Die Er­neuerung der Vergoldung und der farbli­chen Fassung ist der Bedeutung des Grabmals hervorragend gerecht gewor­den.

Jakob Georg von Spangenberg (1695-1779) war der Sohn eines evangelischen Pfarrers aus dem Südharz. In Jena studierte er orien­talische Sprachen, die Theologie der griechischen Kirchenväter, Jura und Ma­thematik. In der Philosophie und in der Theologie erlebte er den Übergang zur Aufklärung, aber auch zum Pietismus. Nach dem Studium trat er zunächst in den Dienst der Herzöge von Sachsen-Meiningen, ging aber 1733 in kurtieri­schen Dienst über. Im gleichen Jahr trat er zur katholischen Kirche über, wobei er betonte, der Grund dafür sei allein die Erkenntnis, dass das Wesen der frühen Kirche, deren Theologie er studiert hat­te, mehr in der katholischen als in der evangelischen Kirche weiterlebe. Aber er hielt sein ganzes Leben lang guten Kontakt zu seinem jüngsten Bruder, der ein bedeutender Schriftsteller und Bi­schof der Herrenhuter Brüdergemeine war.

Spangenberg lebte in Ehrenbreitstein in der Nähe des Kapuzinerplatzes. Im Nachbarstadtteil Pfaffendorf erinnert noch heute die „Spangenbergstraße“ an ihn. Er diente drei Kurfürsten und stieg in die höchsten Ämter von Kurtrier auf. Als Vertreter des Kurstaates ging er nach u.a. nach Regensburg, Frankfurt und Wien. Dort erwarb er sich die Anerken­nung sogar der Kaiserin Maria Theresia, die ihn „unseren guten Freund“ nannte.

Er regte den trierischen Weihbischof von Hontheim an, seine Erkenntnisse aus der Geschichtsforschung in einem Buch zusammenzufassen und zu veröffentli­chen. Dieses führte unter dem Titel „Fe­bronius“ zu einer intensiven Auseinan­dersetzung um die Abgrenzung der Zu­ständigkeit von Papst und Bischöfen.

1755 starb Spangenbergs Frau und wurde im Chor der Abteikirche in Sayn bei­gesetzt. Dies war möglich, weil Span­genberg mit Abt lsfrid Ohm (1), einem Freund der Wissenschaft wie er selbst, befreundet war. Er war ein Wohltäter der Prämonstratenserabtei Sayn und der Benediktinerinnenabteien Marienberg (Boppard) und Niederprüm. In Sayn wollte er seinen Ruhestand verbringen und sich — wie der Abt — mit orientalischen Sprachen beschäftigen. Doch nach fünf Jahren wurde er 1775, nun schon achtzigjährig, vom Reichsvizekanzler noch einmal in die Politik zurückgerufen. Im gleichen Jahr erhob der Kaiser ihn, der bereits 1745 zum wirklichen k. u. k. Geheimrat und Titularreichshofrat ernannt und mit einer Pension von 4000 Gulden versehen worden war, in den Reichsfreiherrenstand. Er starb 1779 in Ehrenbreitstein und wurde seinem Testament gemäß von sechs Kapuzinern an den Rhein geleitet. Von dort wurde sein Leichnam mit einem Schiff nach Bendorf und von dort vom Ufer aus mit einem schwarz verhangenen Prälaten wagen zur Abteikirche in Sayn gebracht, wo er bei Nacht in aller Stille beigesetzt wurde

(1) Abt in Sayn 1744-1777.


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