Das Grabmal des Freiherrn Johann Philipp von Reiffenberg und seiner Frau Maria Margaretha von Hoheneck

Genau dreihundert Jahre jünger als das Stein’sche Grabmal ist das des Freiherrn Johann Philipp von Reiffenberg (+1722)und seiner Gemahlin Maria Margaretha von Hoheneck. Es befindet sich im vierten Joch des Langhauses, an der Nordwand. Die Gesamthöhe von 3,45m machte es erforderlich, dass beim Einbauen ein teil des Fensters zugemauert wurde.

Der Mann trägt eine Rüstung, jedoch keinen Helm; in der linken Hand hält er eine Bibel, die rechte ist mit gespreiztem Finger auf die Brust gelegt. Die Frau, in ein prächtiges, bis auf den Boden reichendes Gewand gekleidet, hält in den gefalteten Händen einen Rosenkranz: Die Marmorplatte, von der die im Halbrelief aus Sandstein gearbeiteten Perso­nen stehen, trägt einen trauernden Putto und wird von den Wappen der Familien Reiffenberg und Hoheneck begrenzt. 

Inschriften weisen darauf hin, dass der Baron die Geschichte seiner Heimat aufschrieb (tecto nomine scripsit IPVR, Er schrieb mit verdecktem Namen IPVR = Johann Philipp von Reiffenberg). Seine 1684 begonnenen, später ergänzten „Antiquitates Saynenses“ sind eine wichtige Quelle zur Geschichte von Sayn und Umgebung. Die Inschriften, die zwischen den Eheleuten stehen, berichten, dass der Baron Geheimer Rat dreier trierischer Kurfürsten sowie deren Amtmann in Montabaur, Herschbach, Grenzau, Vallendar, Sayn und Heimbach war. Zeitweise war er auch Amtmann in Ehrenbreitstein und als solcher Kommandant der Festung. 

Aus den „Antiquitates“ lässt sich belegen, dass die oft geäußerte Ansicht, die Herren Reiffenberg hätten auf der mittleren Burg gewohnt, unrichtig sein muss. Das mittlere Burghaus ist vielmehr Bestandteil der gräflichen Burg. Als Burg Reiffenberg kann man deshalb nur das Gebäude bezeichnen, das an der Stelle des heutigen Schlosses stand und von dem wesentliche Baubestandteile noch erhalten geblieben sind. 

Der Förderkreis Abtei Sayn ermöglichte, dass der graue Binderanstrich, der das Grabmal des Ehepaars von Reiffenberg unansehnlich gemacht hatte, entfernt wurde, die Fehlstellen ausgebessert, die Zierraten neu vergoldet wurden, die gesamte Fassung nach dem originalen Befund erneuert wurde. Es war eine glückliche Entscheidung, dass man in diesem Falle die ergänzende Erneuerung nicht scheute. Einige Jahre später, bei der Tieferlegung des Bodens, hoffte man, in dem freigelegten Teil des Sockels weitere Inschriften zu finden. Die Feuchtigkeit des Bodens hatte aber die eingemeißelte Schrift zerstört.

Mitglieder der Familie Reiffenberg waren im 16. Jahrhundert von Oberreiffenberg (Taunus) nach Sayn gekommen. Sie erwarben am Fuße des Burgberges, in unmittelbarer Nähe der Ortsbefestigung, mehrere Gebäude und ließen sie umbauen und vergrößern. Friedrich von Reiffenberg (1 515-95), ein militärischer Haudegen, der unter wechselnden Herren auf vielen Schlachtfeldern Europas kämpfte, ging auch mit der Gemeinde Sayn so um, wie er es vom Kampf gewohnt war. Er ließ, um besser sein neues Haus ausbauen zu können, ein Loch in die Ringmauer brechen, und dachte lange nicht daran, es wieder zu schließen. Auch sein Grabstein, der sich bis vor kurzem an der Südwand des Kreuzgangs befand, soll wieder aufgestellt werden.
Die Reiffenberg‘sche Gruft wurde 1989 beim Tieferlegen des Fußboden der Abteikirche geöffnet. 

Die Reiffenbergs gehörten wie die Herren von Stein zu den Sayner Burgmännern, die u.a. das Recht hatten, bei der Berufung der Bürgermeister, der Förster, Eicher und anderen Gemeindebediensteten mitzuwirken.
Ihr Burghaus ging in den Besitz der Familie Boos-Waldeck über, die es 1757 zu einem barocken Landhaus umbauen ließ, das seinerseits in dem 1848-51 erfolgten Bau des Schlosses der Fürsten zu Sayn-Wittgenstein aufging.


Vergl. Dietrich Schabow: Sayner Burgmannen.
In: Sayn – Ort und Fürstenhaus, hrsg. von Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, Bendorf-Sayn 1979, S. 100ff.


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